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2012 - World Chocolate Masters, Sydney, Australien

27. May 2012 • Permanenter Link

Ort: Royal Halls of Industries, Sydney, AU

Anforderungen:

Die Vorgabe war, in 8 Stunden folgende Stücke zu produzieren:

Gegossene Pralinen: 40 identische, gegossene Pralinen, mit einer Füllung nach Wahl des Teilnehmers, jedoch nicht schwerer als 12g pro Stück.
Getunkte Pralinen: 40 identische, überzogene (getunkte) Pralinen, mit einer Füllung nach Wahl des Teilnehmers, jedoch nicht schwerer als 12g pro Stück.
Törtchen: 2 Schokolade Törtchen mit einem Durchmesser von jeweils 18cm und maximal 4.5cm Höhe, wobei der vorherrschende Geschmack Schokolade sein sollte, weitere Geschmacksrichtungen und Elemente können jedoch hinzugefügt werden.
Schaustück: 1 Schokoladen Schaustück: Alle Elemente des Schaustückes dürfen vorgefertigt sein, d.h. einzelne Blumenblätter dürfen mitgebracht, jedoch erst beim Wettbewerb zusammengebaut werden. Alle Teile müssen als individuelle Einzelteile zum Wettbewerb gebracht werden.
Das Schaustück darf maximal 180cm hoch und 60cm breit sein.

Workshop Skulptur:

Galerie:

Wettbewerb und Finale:

Hintergrundinformationen:

An einem Wettbewerb teilzunehmen bedeutet immer eine Herausforderung und ist sehr zeitintensiv, oft auch eine hohe psychische und körperliche Belastung, wo jeder Teilnehmer an seinem persönlichen Limit arbeitet.
Gerhard hat als Head Chocolatier einen Ganztages-Job gehabt, weshalb die Teilnahme an diesem Wettbewerb bedeutete, dass er neue Techniken, Rezepte, Designs, Texturen und Schaustücke neben seiner normalen Arbeit zu entwickeln hatte. Dies bedeutete, große Opfer zu erbringen, über Monate hinweg kein freies Wochenende zu haben. Das ist die echte mentale Herausforderung, da es keinen Schalter gibt, wo man einfach wieder auf Null stellen kann, stattdessen denkt man pausenlos an Schokolade, Kuchen und verschiedene Geschmackskombinationen und Möglichkeiten. Ganz zu schweigen von der körperlichen Belastung über Monate hinweg, da man ja immer auf den Beinen ist, oft auch 20 Stunden am Tag.
Die vertikal geschichtete Schwarz/Weiss-Schokoladenlagen-Technik hat Gerhard noch nie bei einem geschnitzten Schaustück zuvor gesehen und wollte es sich daher nicht nehmen lassen, dieses beeindruckende Design mit anderen zu teilen, die danach die Technik vielleicht auch anwenden werden.
Nur für die Blockherstellung alleine brauchte Gerhard 3 Tage, da jede einzelne Lage mit handtemperierter Couverture gefertigt wurde und da er nicht nur ein Schaustück, sondern aus Sicherheitsgründen ein zweites in “Reserve” herstellte, verdoppelten sich die investierte Arbeitszeit und Mühen.
Der Schnitzprozess selbst benötigte rund 3 Wochen. Einer seiner "Favoriten-Tage"” war ein 20-Stunden-Tag, an dem er am Samstag um 8 Uhr morgens startete und am Sonntag um 4 Uhr morgens nach Hause fuhr. Nachdem er einige Stunden geschlafen hatte, nahe an der körperlichen Erschöpfung, schaffte er es irgendwie, 8 Stunden später (noch am Sonntag) weiter zu arbeiten und am Montag-Morgen ganz normal zu seinem Job als Head Chocolatier zurückzukehren, als wäre nichts gewesen.

Die perfekten Rezepturen zu entwickeln, mit dem richtigen Härtegrad der Füllungen, Geschmackskombinationen, Harmonie und verschiedene Texturen zwischen den einzelnen Lagen herzustellen und auszubalancieren, das ist die hohe Kunst der Pâtisserie.
Weiters galt es, Dekorelemente, Glasuren und die richtige Tunktechnik für die Pralinen zu entwickeln und zu perfektionieren. Dafür bleibt einem nicht anderes übrig, als es immer und immer wieder neu zu probieren, bis zum gewünschten, perfekten Ergebnis.

Der Wettbewerb selbst war die Krönung des Adrenalin-Rausches: Gerhard traf um 5.30 Uhr früh in der Wettbewerbshalle ein, nachdem er nur wenig Schlaf fand, zumal er den Transporter mit all den Boxen, Zubehör und den Schaustück-Teilen um 3.30 Uhr morgens einladen hatte müssen.
Der Tisch vor Ort musste vorbereitet und eingeräumt werden und es war ein endloser Arbeitsfluss von 6.30 Uhr bis zum Ende um 16.30 Uhr, ohne Essen oder Pause, begleitet von der Zuschauermenge, den Fotografen, der Jury und einem Fernsehteam, was sicherlich nicht jedermanns Sache ist. Man muss zumindest starke Nerven mit bringen und eine fokussierte Persönlichkeitsstruktur besitzen, um sich dabei nicht aus der Fassung bringen zu lassen.

Unabhängig von der Tatsache, dass Gerhards Schaustück während des Transports vom Arbeitstisch zum Präsentationssockel kollabierte, war er mit dem Resultat sehr zufrieden – vor allem, dass er alles überlebte. Er kann auf alle Fälle versprechen, dass jeder Teilnehmer eines nationalen oder internationalen Wettbewerbs einen fachlich sehr hohen Level mitbringt.
Diese Arbeit ist definitiv kein Honigschlecken, auch wenn es sich manche so romantisch vorstellen, Chocolatier zu sein. Oft sieht man ja in der Werbung, dass ein Chocolatier in Zeitlupe in einer Schüssel mit Schokolade umrührt. Nun ja, sehr lustig anzusehen, jedoch weit von der Realität entfernt. Ich hoffe, dass alle Zuseher und Betrachter der Wettbewerbe und der Bilder hier den Arbeitsaufwand zu schätzen wissen und sich an der Schönheit und Exklusivität von Schokoladeobjekten erfreuen!

Gerhard möchte seinen Dank auch "Zokoko" für die Unterstützung in dieser Zeit aussprechen.

Ein weiteres Projekt wurde erfolgreich beendet und Gerhard flog danach an einen Strand, wo er sich verdienterweise ein paar freie Tage gönnte, um wieder zu Kräften zu kommen.