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Projekte

2006 - Zuckervogel, Gießen bei Frankfurt, Deutschland

07. September 2006 • Permanenter Link

Mitte Mai 2006 schrieb Gerhard die Düsseldorfer Künstlerin Andrea Knobloch mit einer außergewöhnlichen Bitte: Sie bräuchte einen riesigen Vogel aus Zucker für eine Ausstellung, die sie plante. Konditormeister aus Deutschland und der Schweiz sagten, das Projekt sei nicht umsetzbar. Gerhards ausführliche Erfahrung mit Zuckerskulpturen verlieh ihm jedoch einen entscheidenden Vorsprung, und er war zuversichtlich, dass auch diese Herausforderung der Schwerkraft zu bewältigen sei.

Das Projekt sollte eine laufende politische Debatte in Gießen bei Frankfurt wieder aufleben lassen. Andrea brauchte einen „gefallenen“ Greif, zwei Meter hoch, aus Zucker. Der Greif war ein politisches Statement, das die Diskussion um ein Kriegerdenkmal in der Nähe des Gießener Neuen Kunstvereins „versüßen“ soll.

Gerhard wurde kurzfristig nach Frankfurt geflogen, wo er Tag und Nacht an der Zuckerskulptur, ein statisches Wunderwerk, gearbeitet hat. Die Skulptur bestand aus 80 kg Zucker, 1 kg Gelatine und 55 Stunden präziser Bildhauerarbeit. Der zeitliche Druck trieb Gerhard an seine körperlichen Grenzen, und das Kunstwerk wurde knapp vor der Eröffnung fertig. Der fertige Vogel war so groß, dass Markus Lepper, Vorsitzender des Kunstvereins, seine Flügel brechen musste, um ihn von der Galerie nach der Ausstellung entfernen zu können.

Der Zuckervogel, Symbol des gefallenen Kriegdenkmals, stand auf seinem Kopf im Ausstellungsraum und seinen Krallen in der Luft. Das strahlende Weiß des Zuckers erzeugte jedoch ein Gefühl der Unschuld und ließ, zur Überraschung der Beteiligten, einen Neuanfang für die Diskussion entstehen. Die „süße“ Behandlung der emotionsgeladenen politischen Thematik wurde von der Presse, den Politikern und den Bürgern der Stadt mit Heiterkeit und Dankbarkeit aufgenommen.